Macht es der GRND Marabu nachhaltig besser?

Am Ende der journalistischen Recherche "Sneakerjagd" von Flip wollten wir es nicht bei einer Recherche belassen. Im Gegenteil, jetzt wo wir die Berge an giftigen Sneakermüll selbst gesehen hatten, wollten wir Lösungen schaffen. Dabei war uns eins besonders wichtig Wir wollen einen Sneaker gestalten, der es wirklich besser macht und dazu beiträgt, das Problem der unendlich großen und giftigen Menge an illegalem Sneakermüll in Afrika anzugehen. Aber wie können wir uns sicher sein, dass wir es besser machen? Dafür müssen wir unsere Nachhaltigkeit messbar machen. Bei der Frage des „Wie“ haben wir gemerkt: Das wird nicht einfach. Deshalb haben wir uns zuerst überlegt, worin wir besonders gut sein wollen. Herausgekommen sind drei Oberziele für den Marabu-Sneaker:

  1. Less Pollution: Sneaker verschmutzen die Umwelt nicht nur am Ende ihres Lebens, sondern auch schon in der Produktion und während der Tragephase. Der Marabu-Sneaker soll diese Auswirkungen so gering wie möglich halten.
  2. Clean Up: Die schockierenden Bilder der Müllhalde können wir nicht vergessen. Das Projekt soll dazu beitragen, dass auch vor Ort in Kenia aufgeräumt wird.
  3. Cut The Road: Das Projekt ist darauf ausgerichtet, die Textilmüllströme nach Afrika zu unterbrechen. Dazu gehört Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und den großen Herstellern zu zeigen, wie es besser geht. Ist der Marabu-Sneaker einmal aufgetragen, soll er auf keinen Fall wieder in Afrika landen.

In dem vergangenen Jahr haben wir also bei jeder Aufgabe diese Punkte mitgedacht. Und uns war klar, der Marabu-Sneaker wird nur in Serie gehen, wenn er einen positiven Beitrag leistet. Was genau er bei jedem der drei Bereiche bewirkt, können wir nun endlich vorstellen.

Less Pollution: Ein kleiner CO2 Fußabdruck

Um die Auswirkungen des Marabu-Sneakers auf die Umwelt zu messen, haben wir uns mit Sven Gärtner vom Institut für Energie und Umwelt (IFEU) zusammengetan. Das IFEU hat auf Basis unserer Daten eine detaillierte Lebenszyklusanalyse berechnet. Für jeden Schritt - von der Herstellung bis zu Entsorgung – wurde die Wirkung der Sneaker beurteilt. Anhand der Daten wurde die Menge an klimaschädlichen Emissionen, Wasser- und Flächenverbrauch und Versauerung pro Schritt bestimmt und mit der Wirkung eines konventionellen Sneakers verglichen. Klicke hier um alle Ergebnisse im Detail zu sehen.

Die erste große Hürde dabei war, überhaupt Daten zu finden mit denen wir unseren Sneaker vergleichen können. Kaum eine herkömmliche Marke misst den Umwelteinfluss ihrer Schuhe und macht die Ergebnisse öffentlich. Deswegen haben wir eine wissenschaftliche Lebenszyklusanalyse eines Laufschuhs aus dem Jahr 2013 als Vergleich genommen. Das hat uns noch mal mehr bestätigt: wir müssen unbedingt wissen, wo unser Marabu-Sneaker es besser macht – aber auch wo wir noch mal nachbessern können. 

Dabei rausgekommen ist, dass der Marabu-Sneaker einen CO2-Fußabdruck von circa 6 ± 1 kg CO2eq hat. Die stehen gegenüber rund 18 CO2eq, die ein herkömmlicher Sneaker verursacht. Damit schneidet unser Marabu in etwa drei Mal besser ab als ein „normaler“ Sneaker. Das lässt sich unter anderem daran erklären, dass unser Marabu-Sneaker weniger Energie in der Herstellung verbraucht und hauptsächlich aus recycelten oder nachwachsenden Materialien besteht.

Der Marabu kann aber nicht überall punkten. Dadurch, dass wir nachwachsende Materialien für unseren Schuh verwenden, haben wir aber auch einen erhöhten Wasser- und Flächenfußabdruck. Teilweise ist der höher als der der herkömmlichen Sneaker. Einen großen Anteil daran, hat der Naturkautschuk, der in der Sohle des Marabus steckt. Dieser wird aus Kautschukbäumen gewonnen, die im Anbau bewässert werden müssen und Fläche verbrauchen. Ein nicht unüblicher Trade-Off, dem viele nachhaltige Sneaker begegnen: Kunststoffe haben im Vergleich zu nachwachsenden Rohstoffen ein viel geringeren Wasser- und Flächenverbrauch – schaden der Umwelt aber an anderer Stelle.

 

Wir haben natürlich auch Sven Gärtner gefragt, ob die Entscheidung, eine Sohle aus Naturkautschuk statt Plastik zu verwenden, richtig ist. „Diese Entscheidung ist nicht komplett objektiv bewertbar. Es ist eine Frage der persönlichen Wertehaltung.“, sagt Gärtner. Er halte aber angesichts der Klimakrise einen geringen CO2-Fußabdruck für entscheidend.  Insgesamt spricht er von einem beachtlichen Ergebnis. Selbst wenn man alle direkten und indirekten Faktoren berücksichtige, die in die Umweltbilanz reinspielen, habe der Marabu eine viel bessere CO2-Bilanz hat als der herkömmliche Sneaker.

 

Clean Up- Vor Ort aufräumen

Foto: Lorenz Jeric

Doch trotzdem setzen wir einen neuen, zusätzlichen Sneaker in die Welt. Zwar bringt er Müll aus Kenia wieder nach Deutschland, aber die Müllmengen sind viel größer, als dass wir sie durch Schuhsohlen abbauen könnten. Wichtig ist uns auch einen Impact darüber hinaus vor Ort zu generieren. Deswegen gehen ein Euro pro verkauftem Marabu Paar an die kenianische Organisation Komb Green Solutions [Link]. Die Organisation aus Korogocho, einem der größten Slums in Kenia, macht es sich zur Aufgabe für sauberes Wasser und saubere Luft in ihrer Gemeinschaft zu sorgen. Die erste Spende aus dem Crowdfunding über 688 Euro ist schon angekommen und wird eine Müllsortierungsstation mitfinanzieren, wo Schuhsohlen und andere relevante Abfälle für das Recycling gesammelt werden.

 

Cut the Road – Den Müllstrom nach Afrika unterbrechen

Die Unmengen an alten Schuhen, die von Europa nach Afrika geschickt werden, landen dort in der Umwelt und verpesten diese. Deswegen ist es so wichtig, das Hersteller Verantwortung für ihre Ware übernehmen, auch nach dem sie verkauft worden ist. Der Name GRND und die sichtbaren Grind-Schnipsel in der Marabu-Sohle sollen symbolisch aufmerksam machen auf das Problem. Aber da hören wir nicht auf. Wir haben ein Take-Back-System eingerichtet und nehmen alle Marabu-Sneaker am Ende ihres Lebens zurück, um sie zu recyceln. Beim Kaufpreis ist ein Pfand mit einberechnet. Ist ein Marabu aufgetragen und wird zurückgeschickt, wird dieser wieder ausgezahlt. Damit möglichst viele Marabus wieder bei uns landen, ist auf der Lasche jedes Sneakers ein QR-Code, der zu unser Take-Back-Seite führt, wo der Rücksendeschein generiert werden kann. Dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind, zeigen auch die CO2 Berechnung des IFEUs zu den Entsorgungsmöglichkeiten. Um den geringsten CO2-Fußabdruck zu haben, sollten die Marabu-Sneaker am Ende ihres Lebens wiederverwendet werden und nicht auf einer Deponie oder in einer Müllverbrennungsanlage landen.  Das spart bis zu 2 Kilo CO2-Äquivalente pro Paar. Kommen die alten Marabus bei uns an wird Oberschuh von Sohle getrennt und jeweils wieder verwertet.

Wir sind überzeugt, dass unser Marabu etwas gegen den illegalen Textilmüll in Afrika beitragen kann und das haben auch die wissenschaftlichen Analysen gezeigt. Deswegen geht der Marabu auch in Serie – und ist ab sofort regulär in unserem Shop bestellbar.

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